Jun
05
19

Südafrika Shootingreise 2019

Das weite Land, die faszinierende Wildnis, die Natur und vor allem die Tierwelt Südafrikas haben mich schon vor Jahren verzaubert. 

Seit 2011 bin ich mehrmals nach Südafrika gereist und konnte mir schon damals ein Bild von mehreren Tierparks machen. Durch gute Kontakte vor Ort, die die gleiche Einstellung zum Thema Tierschutz haben, habe ich mir den Park Glen Afric empfehlen lassen. 

Unsere Projektplanung startete gerade mal 3 Monate vor Abflug. Ich buchte den Flug ohne überhaupt zu wissen, wer mitkommt. Innerhalb weniger Tage buchten die Models Carmen und Nadine ihre Flüge und kurze Zeit später noch eine zweite Fotografin namens Theresa. Zwei weitere Assistentinnen und Carmens Freund schlossen sich an. Wir buchten eine ganze Woche vor Ort in Glen Afric und suchten uns Make up Artists aus Johannesburg und Pretoria, die unser Team vervollständigen sollten.

Vicky, die Tierschutzbeauftragte von Glen Afric, besprach mit mir im Vorfeld, was möglich ist und was nicht. Doch vor allem tauschten wir uns bei einem Telefonat über unsere Intentionen aus und unsere Einstellung zu Tieren. Sie stellte klar, dass sie keine Gefahr eingehen würde und Sicherheit für sie an erster Stelle stehen würde. Dies war für mich eine Grundvorraussetzung für eine wichtige Vertrauensbasis. 

1.3.2019 um 22:40 Uhr Vor dem Abflug trafen wir uns zum Abendessen und einige von uns sahen sich zum ersten Mal. Mit der SWISS zu fliegen ruft jedes Mal ein unglaublich schönes Gefühl von Geborgenheit hervor und erinnert mich an meine Zeit als Flugbegleiterin. Diese unbeschreibliche Aufregung vor einer grossen Reise habe ich die letzten Jahre vermisst!

2.3.2019 um 10:20 Uhr morgens: Willkommen in Südafrika 

Nach einem langen Nachtflug quer über den weiten Kontinent Afrika, landeten wir endlich in Johannesburg. Strahlender Sonnenschein und schwüle Hitze waren nach diesem kalten Winter genau das, was wir uns wünschten. Der Transferservice von Glen Afric brachte uns zur Lodge. Nachdem wir uns in unseren Zimmern eingerichtet und etwas gegessen hatten, trafen wir auch gleich Vicky, die uns mit auf eine kleine Safari nahm. 

Wir fuhren den Park ab und besprachen nicht nur die ersten potenziellen Locations zum Shooten, sondern wurden auch über wichtige Sicherheitsmassnahmen aufgeklärt. 

Todmüde fielen wir abends ins Bett und konnten kaum einschlafen vor lauter Vorfreude, denn es wartete eine spannende Woche auf uns!

3.3.2019 um 6 Uhr morgens: Die ersten Eindrücke

Es war eine sehr kurze Nacht, denn nicht nur die Aufregung erschwerte das Einschlafen, sondern auch unser Model Nadine, die in ihrem Zimmer nun die zweite tellergrosse Spinne meldete. Zum Glück hatten wir in unserem Team zwei mutige Damen, die nicht wie ich an Arachnophobie leiden, und sich des Problem gleich annahmen. Alle hatten ihre Zimmer im zweiten Stock, und ich war froh, dass uns im zweiten Stock derartige Begegnungen erspart blieben.

Cuan Kemp, einer unserer Make up Artists, lernten wir beim Frühstück kennen. Carmen war bereits fertig gestylt und Vicky wartete auf uns. Wir fuhren mit einem Jeep in den Park und sahen auch schon die ersten Zebras. Emmanuel (Vickys helfende Hand) griff nach einem Eimer voll mit Trockenfutter und fing an, ihn zu schütteln. Es dauerte nur wenige Sekunden und die Zebras kamen angelaufen. Vorsichtige näherte sich Carmen den Tieren. Vicky und Emmanuel standen direkt neben ihr und versuchten die Tiere mittels Futter so zu positionieren, dass wir mit Gegenlicht arbeiten konnten. Zu dieser Zeit fing die Sonne jedoch schon an, sehr intensiv zu sein, weswegen es uns erschwerte, eine gute Location zu finden. Daher trafen wir auch die Entscheidung, die nächsten Tage statt 7:30 Uhr schon um 5:30 Uhr anzufangen.

An unserem ersten Vormittag trafen wir auf Giraffen, Strausse, Gnus und natürlich auf Jack, das zahmste Zebra der Welt. Strausse und Giraffen gehören mit zu den schwierigsten und auch gefährlichsten Shootingpartnern. Vicky erzählte uns sehr viel über die Tiere und den Park, den sie zusammen mit ihrem damaligen Mann aufgebaut hatte. Sie erkennt fast jedes Tier auf den ersten Blick und erzählte uns Einiges über die verschiedenen Charaktere. Vor allem Jack, das Zebra, ist ein Phänomen für sich. Ich erinnere mich noch sehr gut an ihn: Juni 2011 lernte ich ihn kennen und war sofort fasziniert davon, wie viel menschliche Nähe er zuliess. 

Am Nachmittag shooteten wir mit Gepardenbabies aus einer privaten Auffangstation –  eines der Highlights unserer Reise. 

Bereits nach dem ersten Tag bekamen wir einen sehr guten Eindruck, wie es den Tieren hier geht, wie sie gehalten werden und wie man mit ihnen umgeht. Für uns war von vornherein klar, dass wir die Shootingreise nicht in Glen Afric fortsetzen würden, wenn wir uns nicht von der artgerechten Haltung überzeugt hätten. 

4.3.2019 um 6 Uhr morgens: Ein Wiedersehen mit Elefantendame Three

Ein weiterer Shootingtag brach an. Heute kam vor allem Nadine auf ihre Kosten. Bis zum Sonnenuntergang (natürlich mit Unterbrechung) shooteten wir mit diversen Tieren, die uns über den Weg liefen. Selbst Wildschweine bekamen wir vor die Kamera und erinnerten uns an den Disneyfilm “König der Löwen”. Wir konnten sogar mit Elefanten shooten : Three und ihre Töchter Hanna und Marty lernte ich ebenfalls im Juni 2011 kennen. Es hat mich sehr gefreut, dass ich die drei Elefantendamen wohlauf wieder traf. Doch auch bei Elefanten mussten wir besonders vorsichtig sein. Einer der Tierpfleger fütterte Three, während Nadine neben ihr poste. Wir hatten nur 10 Minuten Zeit und da musste einfach alles stimmen. 

Beim Abendessen sortierten wir bereits die ersten Fotos und erfreuten uns an den Ergebnissen.

5.3.2019 um 8 Uhr morgens: Löwenbabies

Wir konnten tatsächlich heute morgen ausschlafen und wurden sogar von Zebras am Morgen empfangen. Sie standen direkt vor unserer Lodge. Heute fuhren wir zum Löwenpark, wo wir mit kleinen Löwen shooten wollten. Leider werden in Südafrika in sehr vielen Löwenparks kleine Löwen gehalten, und wenn sie gross sind, an Touristen verkauft, die sie erschiessen. Dieser Problematik sind wir uns bewusst, und auch wenn wir einen der wenigen Parks gewählt hatten, wo dies nicht der Fall ist, begegneten wir dem Shooting mit gemischten Gefühlen und beendeten es nach 40 min., um die beiden Löwenbabies nicht weiter zu stressen. 

6.3.2019 um 10 Uhr morgens: Safari

Eine Safari durfte in Südafrika nicht fehlen, und daher hatten wir bei meinem Lieblings-Tour Guide eine Safari in Pilanesberg geplant. Nach den letzten anstrengenden, aber auch ereignisreichen Tagen, freuten wir uns über etwas Entspannung und genossen es, die Tiere mal von Weitem zu sehen. Unser Fahrer auf der Safari erzählte uns vor allem von der traurigen Geschichte der Nashörner, deren Hörner für mehrere Millionen Dollar auf dem Schwarzmarkt verkauft werden, und wie sie jede Nacht versuchen, den Park vor Eindringlingen zu schützen und damit ihr Leben aufs Spiel setzen. 

7.3.2019 um 5 Uhr morgens: Raubkatzentag

Ich wurde nachts mehrmals wach durch Löwengebrüll und andere Tiere, die unerkennbare Geräusche machten. Auch wenn wir zu unmenschlichen Zeiten aufstehen mussten und nicht viel Schlaf bekamen, war es doch faszinierend, wenn man durch Löwengebrüll geweckt wird! 

Wir starteten sehr früh zu unserem Sonnenaufgangsshooting. Nadine stand bereits seit 3 Uhr morgens in der Maske. Für Jeanne-Kay, unsere Make up Artist, hatten wir die Nacht zuvor ein Zimmer gebucht, damit sie nicht so früh auf den Strassen Auto fahren musste, was leider derzeit sehr gefährlich ist. 

Wir hatten einen traumhaften afrikanischen Sonnenaufgang mit Gnus und Zebras im Hintergrund und empfingen Carmen pünktlich um 8 Uhr morgens. Denn heute waren Raubkatzen angesagt.

Zum ersten Mal sah ich einen Leoparden aus nächster Nähe. Die Leopardendame Salati wird in einem grossen Käfig gehalten. Sie kamen vor vielen Jahren mit ihren beiden Brüdern nach Glen Afric, wo sie aufgepäppelt wurde. Ihre Brüder wurden beide in die Wildnis ausgesetzt, als sie wieder ganz gesund waren, leider überlebten sie nicht. Salati dagegen geniesst die volle Aufmerksamkeit und wird nicht umsonst von ihren Pflegern als Diva bezeichnet. 

Unser Shooting fand im Käfig statt, während wir (Theresa und ich) ausserhalb des Käfigs standen, aus Sicherheitsgründen. Vicky versuchte Salati auf den Baum zu bekommen, indem ein anderer Tierpfleger sie mit Futter lockte. Carmen wartete ausserhalb des Käfigs auf ihren Einsatz.

Sie zeigte sich bei Carmen noch sehr wohl gesonnen, verlor aber schnell das Interesse an ihr. Vicky beobachtete jeden einzelnen Schritt der Leopardendame und schickte Carmen sofort raus, als die Fotos nach nicht einmal zwei Minuten im Kasten waren.

Am Nachmittag fuhren wir zusammen mit drei Löwen aus dem Park raus, um mit Löwen zu shooten. Ein grosser Traum ging für mich in Erfüllung! Löwen gehören zu meinen Lieblingstieren, sie strahlen so viel Anmut und Stolz aus. Im Vorfeld hatten wir das Shooting mit Carmen und Nadine ausführlich besprochen und waren jedes einzelne Detail durchgegangen. Vicky klärte uns über Sicherheitsmassnahmen auf und gab den Models klare Anweisungen, was sie tun durften und was nicht. Selbst der Platz, wo wir shooteten, durfte nur wenige Meter vom Spielplatz der drei Löwen entfernt sein. Wir positionierten uns: Theresa und ich standen dicht nebeneinander, Nadine direkt neben uns. Links und rechts neben uns standen zwei Tierpfleger. Carmen machte sich bereit und verschränkte ihre Arme schützend vor ihrer Brust. Damit verhinderte sie, dass der Löwe nach ihre Hand schnappen könnte, weil er sie möglicherweise mit Futter verwechselt. Links und rechts von ihr standen zwei weitere Tierpfleger und Vicky, die das Ganze gut beobachtete. Vickys Sohn stand 20 m entfernt, und als wir bereit waren, öffnete er den Käfig und liess Löwin Nairobi heraus. Einer der Tierpfleger, der neben Carmen stand, lockte sie permanent mit Futter. Somit wurde sie abgelenkt und während sie gefüttert wurde, hatten wir die Möglichkeit unsere Fotos zu machen, doch es musste schnell gehen. Danach war Nadine an der Reihe. Beide Models waren grandios, sie posierten mit so viel Gelassenheit, als würde ihre Hauskatze um sie herum laufen. Sie brachten dennoch eine gesunde Portion Respekt mit, die bei jedem Shooting mit Tieren vorhanden sein muss. Nach nicht einmal 15 Minuten war das Shooting vorbei und wir wurden auf einmal von Glücksgefühlen heimgesucht! 

Dies war mein persönliches Highlight der ganzen Reise und ich bin überglücklich über die entstandenen Fotos mit den Löwen!

8.3.2019 um 5 Uhr morgens: Ein Nilpferd zum Frühstück

Wir hatten spontan ein Upgrade in eine der Luxuscottages bekommen und verbrachten die letzten beiden Nächte vor dem See, in dem ein Nilpferd lebte. Wir wurden schon Anfang der Woche gewarnt, dass wir auf keinen Fall nachts alleine herumlaufen sollten, da Strausse und vor allem Nilpferde Ursache von tödlichen Begegnungen sein könnten. Vor unserer Terrasse sahen wir morgens dann das Nilpferd aus dem Wasser herausschauen. 

Der Wecker klingelte wieder sehr früh, und diesmal durfte Theresa (unsere zweite Fotografin) vor die Kamera. Three, die Elefantendame, und Jack, das zahmste Zebra der Welt, durften natürlich nicht fehlen an unserem letzten Tag, genauso wenig wie Nasiphi, unser südafrikanisches Model, auf das wir uns schon die ganze Woche über gefreut hatten. 

Abends fielen wir glücklich und zufrieden ins Bett, mit dem Gedanken, diesmal ausschlafen zu können. 

9.3.2019 um 10 Uhr morgens: Time to say Good-bye

Die letzten Stunden in der Lodge verbrachten wir mit viel Schlafen, Fotos aussortieren und vor allem einer Massage. Mit tausenden von Fotos im Gepäck traten wir unsere Rückreise an. Es war eine wunderschöne Woche voller spannender Erlebnisse, doch wir waren nicht traurig, dass sie vorbei war. Denn wir wussten, dass wir nächstes Jahr wieder kommen werden!

Ein paar Worte zum Nachdenken:

Viele Tiere Südafrikas, insbesondere Löwen und Nashörner, sind heute vom Aussterben bedroht. Auffangstationen und grosse Parks wie Glen Afric, bieten einigen Tieren viel Freiraum in einem riesigen Gebiet, das zwar eingezäunt, aber dafür geschützt ist. Die Tierpfleger kümmern sich rührend um jedes einzelne Tier. Einige Tiere wurden hergeholt, weil sie krank waren und in Glen Afric die Chance bekamen, gesund zu werden. Andere Tiere wurden nach Glen Afric geholt, um ihre Rasse zu schützen, da sie in der Wildnis ein beliebtes Opfer von Jägern sind. Ihre Tiere sind Menschennähe gewohnt, dennoch bleiben es wilde Tiere. Grenzen zu respektieren und vor allem zu erkennen, war sehr wichtig auf unserer Reise. Vicky erkannte schnell anhand der Verhaltensweisen ihrer Tiere, wenn auch nur ein Funke Gefahr bestand und holte uns sofort zurück in den Wagen. Wir vertrauten ihr! Daher ist es ganz wichtig, dass man diese Fotos nicht einfach nachmacht und schon gar nicht mit einem Tier in freier Wildnis. So schön sie auch anzusehen sind, dahinter steckt viel Zeit und vor allem Geduld. Mit Film und Fotoaufnahmen finanzieren sich viele Auffangstationen den Unterhalt der Tiere und halten sie damit am Leben.

Wilde Tiere mit Frauen zu fotografieren ist eine Kombination, die zwar sehr schön anzusehen ist, aber auch provoziert und viele gespaltene Meinungen anzieht. Ich möchte mit diesen Fotos und meiner Reise die Menschen auf gewisse Problematiken aufmerksam machen, wie zum Beispiel das Töten von Löwen durch Touristen, die dies aus reiner Freude tun. Wenn wir alle wegschauen, werden wir vielleicht in 30 Jahren keine Löwen oder Nashörner mehr haben. Menschen und Tiere können friedlich miteinander leben. Die Grenzen der Tiere müssen jedoch in jeglicher Hinsicht respektiert werden, damit weder das Tier, noch das Model in Gefahr gerät. 

2020 plane ich eine Workshopreise nach Südafrika, in der wir nicht nur lernen, schöne Fotos zu machen, sondern auch, wie man respektvoll mit dieser speziellen Art der Mensch-Tier-Fotografie umgeht.

Mehr Infos zu der geplanten Workshop Reise findest du hier: Going Wild South Africa 2020

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